Die National Campaign for the Arts (NCFA)
Die NCFA ist eine ehrenamtlich organisierte Graswurzel-Initiative, die sich sektorenübergreifend für die Interessen der Kunst- und Kulturarbeit in Irland einsetzt. Ihre Arbeit umfasst kulturpolitische Lobbyarbeit ebenso wie Fragen sozialer Absicherung, Barrierefreiheit, regionaler Entwicklung und Klimaschutz. In der Pandemie spielte die NCFA eine zentrale Rolle bei der Formulierung von Vorschlägen zur staatlichen Unterstützung des Sektors.
Entstehung und Design des Pilotprojekts
Das Grundeinkommen entstand als Reaktion auf die COVID-19-Krise. Eine staatliche Task Force, der auch Vertreter*innen der NCFA angehörten, identifizierte die Einkommenssicherung als vorrangigen Hebel zur Stabilisierung der Kulturarbeit – nicht nur kurzfristig, sondern strukturell.
Das Pilotprojekt war ursprünglich auf drei Jahre angelegt und lief von 2022 bis Februar 2026. 2.000 Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen, ausgewählt via Zufallsprinzip unter allen potentiell Bezugsberechtigten, erhielten wöchentlich 325 Euro. Ergänzend wurde eine Kontrollgruppe von 1.000 Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen aus den Antragsteller*innen eingerichtet, die dieselben Erhebungen durchlief. Der wissenschaftliche Anspruch war hoch: Eine umfassende Begleitforschung im sogenannten „Goldstandard“ sollte belastbare Daten für politische Entscheidungen liefern.
Gleichzeitig zeigte sich bereits in der Umsetzung, dass der Zugang zum Modell nicht für alle gleichermaßen gegeben war. Insbesondere Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen mit Behinderungen verzichteten teilweise auf eine Antragstellung oder zogen ihre Teilnahme zurück, da unklar war, ob das Grundeinkommen auf bestehende Unterstützungsleistungen angerechnet würde. Auch für Studierende, Berufseinsteiger*innen sowie ältere Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen ohne abgesicherte Pensionsansprüche blieben Fragen der Zugänglichkeit offen. Diese Erfahrungen machten deutlich, dass Einkommenssicherung zwar wirksam ist, ihre konkrete Ausgestaltung jedoch eng mit bestehenden sozialrechtlichen Rahmenbedingungen zusammengedacht werden muss, um tatsächliche Teilhabe zu ermöglichen.
Zentrale Forschungsergebnisse
Die Ergebnisse der Begleitstudien zeichnen ein klares Bild der strukturellen Prekarität im Sektor – und der Wirkung gezielter Einkommenssicherung.
„53 Prozent der in der Kulturarbeit Tätigen leben unter der Armutsgrenze – das ist dreimal so viel wie in der Gesamtbevölkerung Irlands.“
– Maria Fleming, Vorsitzende der National Campaign for the Arts
Gleichzeitig zeigt die Kosten-Nutzen-Analyse einen positiven volkswirtschaftlichen Effekt: Jeder investierte Euro bringt dem Staat 1,39 Euro zurück, unter anderem durch höhere Steuereinnahmen und geringere Ausgaben für andere Sozialleistungen. Viele Teilnehmende konnten ihre Arbeitszeit in fachfremden Jobs reduzieren und mehr Zeit in ihre künstlerisch-kulturelle Praxis investieren.
Soziale und menschliche Auswirkungen
Neben den Zahlen berichten die Erhebungen von tiefgreifenden Veränderungen im Alltag. Grundlegende Bedürfnisse wurden erstmals wieder leistbar: Arztbesuche, Therapien oder einfache soziale Teilhabe. Für viele eröffnete die Einkommenssicherung neue Handlungsspielräume bei existenziellen Entscheidungen – etwa Familiengründung, langfristige Wohnperspektiven oder die Möglichkeit, im eigenen Berufsfeld zu bleiben. Fleming beschreibt zudem einen mentalen Wandel: Weg von einer permanenten Mangelorientierung hin zu mehr Stabilität und Vertrauen in die eigene berufliche Zukunft.
Politische Strategie und Ausblick
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die frühzeitige parteiübergreifende Absicherung. Die NCFA suchte gezielt den Dialog mit Oppositionsparteien, um Kontinuität über Wahlperioden hinweg zu gewährleisten. Dieser Ansatz erwies sich als entscheidend: Trotz Regierungswechseln wurde das Projekt bis zum Ende geführt und schließlich verstetigt.
„Der wichtigste Punkt ist: Das Modell funktioniert.“
– Maria Fleming, Vorsitzende der National Campaign for the Arts
Ab 2026 wird das Grundeinkommen dauerhaft fortgeführt – die Nachfrage ist wenig überraschen weiterhin hoch: Mehr als 9.000 Bewerbungen standen 2.000 Plätzen gegenüber. Das nächste Ziel der NCFA ist daher die Anzahl der Begünstigten sukzessive auszuweiten sowie das Modell langfristig abzusichern.
Die Entscheidung das Pilotprojekt als ein langfristiges Modell weiterzuführen gilt als kulturpolitischer Meilenstein. Aus Sicht der NCFA sind die gewonnenen Daten international anschlussfähig: Die ökonomischen und sozialen Effekte seien nicht spezifisch irisch, sondern prinzipiell übertragbar.