Diversitätsorientierte Kulturförderungen

Wer kann es sich leisten, Kunst und Kultur zu schaffen? Welche Themen und Personen werden auf der Bühne sichtbar? Und für wen wird sie eigentlich gemacht? Im Hinblick auf eine vielfältigere sowie in vielen Belangen fairere Kulturlandschaft muss es das Ziel sein, das Förderwesen so zu gestalten, dass es für alle Menschen gleichermaßen zugänglich wird

Dies oben genannten zentralen Fragen beschäftigen den Kulturbereich schon seit Langem, haben in den letzten Jahrzehnten aber nicht immer entsprechende Aufmerksamkeit erhalten. Jedenfalls sollten sie im Mittelpunkt der Kulturpolitik stehen, denn diese ist maßgeblich für die Rahmenbedingungen verantwortlich, unter denen Kunst und Kultur entstehen und stattfinden. Trotz des Engagements einzelner Kulturakteur:innen und einer wachsenden Sensibilität vieler Beteiligter sind Ausschlussmechanismen im Kulturbereich nach wie vor stark ausgeprägt – nicht zuletzt aufgrund der chronischen Prekarität, die viele Kulturinitiativen und -organisationen betrifft. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, bedarf es mutiger kulturpolitischer Maßnahmen. Diese müssen sowohl ein vielfältiges Angebot kultureller Inhalte fördern als auch einen gleichberechtigten Zugang dazu ermöglichen.

Ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung wäre die Adaptierung bestehender Fördersysteme. Im Hinblick auf eine vielfältigere sowie in vielen Belangen fairere Kulturlandschaft muss es das Ziel sein, das Förderwesen so zu gestalten, dass es für alle Menschen gleichermaßen zugänglich wird. Dazu fordern wir u.a. die Umsetzung folgender Maßnahmen:

 

Interne Diversifizierungsmaßnahmen:

  • Verankerung von Diversitätsorientierung und Antidiskriminierung in sämtlichen rechtlichen Grundlagen
  • gezielte Förderung der Repräsentation marginalisierter Gruppen in Ämtern, Entscheidungsgremien und öffentlichen Kultureinrichtungen
  • Schaffung von Bewusstsein für Barrieren und Vorurteile (z.B. durch diskriminierungskritische Schulungen für Entscheidungsträger:innen und Sachbearbeiter:innen)
  • Öffentlich nachvollziehbare, transparente Entscheidungsprozesse in Bezug auf Fördervergaben
  • inhaltliche Begründungen bei Ablehnungen oder Förderbeträgen, die deutlich geringer als angesucht ausfallen
  • ausführliche Kulturförderungsberichte, die die Verteilung von Fördermitteln nicht nur in Bezug auf Sparten, sondern auch im Hinblick auf eine diversitätsorientierte Verteilung sichtbar machen

 

Externe Diversifizierungsmaßnahmen:

  • Verankerung diversitätsorientierter Förderungstöpfe (z.B. in Form themenbezogener Calls oder Stipendienprogramme)
  • Förderung von Kosten für Sensibilisierungsmaßnahmen
  • einsehbare Kriterienkataloge und Förderrichtlinien, die diversitätsorientiert und antidiskriminierend sind
  • Berücksichtigung dieser Kriterien bei der Vergabe von Förderungen
  • niederschwellige Begleitangebote für Förderantragsstellungen (z.B. Informationsveranstaltungen, Bereitstellung unterstützender, mehrsprachiger Materialien)
  • Überarbeitung und Vereinfachung von Online-Formularen
  • Einführung mehrsprachiger Online-Formulare
  • Vereinfachung der Abrechnungsmodalitäten bei Kleinstförderungen

 

Diese Zusammenfassung gründet auf zahlreichen Beratungsgesprächen sowie der langjährigen Praxis der IG Kultur Steiermark. Weitere Grundlagen sind die Publikation „Kulturförderung für alle“ unserer Schwesterorganisation TKI sowie der Maßnahmenkatalog zur Kulturstrategie 2030 des Landes Steiermark.

Einfach erklärt: Kulturförderung für alle

 

#einfacherklärt

Warum brauchen wir Kultur-Geld für alle?

Kunst und Kultur sollen für alle Menschen da sein. Aber nicht alle haben die gleichen Chancen. Manche Gruppen werden oft vergessen. Oder sie bekommen weniger Unterstützung. Das soll sich ändern: Das Land und die Politik müssen dafür sorgen, dass alle Menschen fair unterstützt werden. Dafür braucht es klare und einfache Regeln.

Für das Land und die Politik: 

  • Klare Regeln machen: Niemand darf benachteiligt werden. 
  • Mehr Menschen aus verschiedenen Gruppen in Entscheidungen einbeziehen. 
  • Schulungen anbieten, um Vorurteile abzubauen. 
  • Offen zeigen, warum wer Geld bekommt. 
  • Wenn jemand kein Geld bekommt: Klare Gründe nennen. 
  • Berichte veröffentlichen: Wie wird das Geld verteilt?

Für Künstler und Vereine:

  • Extra Geld für Projekte, die verschiedene Gruppen einbeziehen. 
  • Hilfe für Schulungen und Beratung. 
  • Einfache und klare Regeln für alle. 
  • Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen (z.B. in verschiedenen Sprachen). 
  • Einfache Online-Formulare, auch in anderen Sprachen. 
  • Einfachere Abrechnung