Lunch Lecture: Demokratisierung durch Kultur

Was hat freie Kulturarbeit mit Demokratie zu tun? Freie Kulturarbeit ist eine demokratische Praxis. In dieser Lunch Lecture fragen wir gemeinsam mit Mirjam Zadoff und Bernhard Weidinger, warum Kultur und Demokratie einander brauchen und was das konkret für unsere Arbeit als Kulturinitiativen bedeutet. Jetzt mit Aufzeichnung und Nachlese, auch in einfacher Sprache.

Demokratisierung durch Kultur
Was freie Kulturarbeit mit Demokratie zu tun hat und warum sie so wichtig ist. 

Was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, ist es nicht: Kultur für alle. Mirjam Zadoff, Historikerin und Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München, beschreibt kulturelle Teilhabe als zutiefst demokratisches Projekt — als Ergebnis gesellschaftlichen Engagements, das für Vielfalt, Offenheit und die Bereitschaft steht, für eine liberale Gesellschaft einzutreten. Für sie sind Kulturinstitutionen Räume, an denen Partizipation gelebt wird. Bernhard Weidinger, Rechtsextremismusforscher am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), ergänzt diese Perspektive mit einer konkreten Diagnose: Wer kulturelle Hegemonie erringen will — wie die Rechte es derzeit gezielt betreibt, um gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben —, kämpft nicht zufällig um Universitäten, Medien und öffentliche Räume, denn genau dort entstehen die Erzählungen, die Gesellschaften zusammenhalten oder spalten können.

Für uns als freie Kulturinitiativen heißt das: Demokratisierung durch Kultur ist kein schönes Ziel für Leitbilder, sondern tägliche Praxis — in den Projekten, die wir umsetzen, in den Strukturen, die wir aufbauen, und in den Kämpfen, die wir führen.

Mirjam Zadoff, geboren 1974 in Innsbruck, studierte Geschichte und Judaistik in Wien und promovierte in München. Nach Gastprofessuren in Zürich, Berkeley, Berlin und Augsburg lehrte sie als an der Indiana University Bloomington. Seit 2018 leitet sie das NS-Dokumentationszentrum in München; zudem ist sie Honorarprofessorin an der Technischen Universität München und außerplanmäßige Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität. Ihre Forschung gilt jüdischer Geschichte, Erinnerungskulturen und der Vermittlung von Geschichte als demokratischem Auftrag. Zuletzt erschien von ihr Wie wir überwintern. Den Lebensmut durch die harten Zeiten retten (Hanser, 2025).

Bernhard Weidinger leitet die Abteilung für Rechtsextremismusforschung am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien. In diesem Rahmen ist er auch zuständig für die jährliche Erarbeitung des Berichts „Rechtsextremismus in Österreich“ im Auftrag von Innen- und Justizministerium. Er hat Politikwissenschaft in Wien und Granada studiert und ist Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU).

Moderiert wird die Lunch Lecture von Mika Palmisano, IG KiKK.

Wir freuen uns auf den Austausch!

Lunch Lecture:

23.04.2026 | 13.00–14.00 | online via ZOOM 

Hier klicken, um dem Meeting beizutreten.

Unsere Lunch Lecture ist ein Webinar zur Mittagszeit, in dem ihr euch „nebenbei“ Informationen und Impulse abholen und in einen Dialog treten könnt, ohne euch freinehmen zu müssen. Dafür verwenden wir die Plattform Zoom. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet.

HIER findet ihr die Aufzeichnung der Lunch Lecture zum Nachsehen. 

Nachlese zur Lunch Lecture „Demokratisierung durch Kultur“

Was hat freie Kulturarbeit mit Demokratie zu tun? Und welche Rolle spielt Kultur in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, rechter Angriffe und zunehmenden Drucks auf kritische Infrastrukturen? Diesen Fragen widmete sich unsere Lunch Lecture mit Bernhard Weidinger und Mirjam Zadoff.

Zum Auftakt machte Mika Palmisano deutlich, warum das Thema gerade jetzt dringlich ist. Ausgehend von aktuellen Entwicklungen in Kärnten/Koroška – rund um den Erhalt der Kulturabteilung – und mit Blick auf die drastische Situation in der Steiermark mit Förderstopps und Kürzungen wurde klar: Kulturpolitik ist immer auch Demokratiepolitik.

Bernhard Weidinger zeigte in seinem Impuls, dass Kultur ein zentrales Feld politischer Auseinandersetzung ist – auch für die extreme Rechte. Diese versuche nicht nur über Parteipolitik Einfluss zu gewinnen, sondern arbeite gezielt an kultureller Hegemonie: über Publikationen, Musik, Memes, Kleidung, soziale Medien, Architektur, Gaming und eigene kulturelle Netzwerke. Gerade weil rechte Akteur*innen die Bedeutung von Kultur erkannt haben, sei freie Kulturarbeit als demokratischer Gegenraum umso wichtiger.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Kulturinitiativen Angriffe oft sehr konkret spüren – durch Diffamierung, Einschüchterung, politische Interventionen oder Finanzierungsdruck. Als wichtige Strategien wurden Bündnisse, solidarische Netzwerke und ein selbstbewusster Umgang mit Angriffen genannt. Nicht in der Defensive zu verharren, sondern eigene Positionen sichtbar zu machen, war ein zentraler Punkt.

Mirjam Zadoff lenkte den Blick auf Erinnerungskultur als demokratische Praxis. Sie betonte, dass Erinnerung nie selbstverständlich ist, sondern immer wieder verteidigt und erneuert werden muss. Demokratische Kultur brauche Räume, in denen Konflikte ausgetragen, Verantwortung verhandelt und unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Mit Sorge sprach sie über aktuelle Gefährdungen demokratischer Förderstrukturen und über Kürzungen bei Programmen zur Demokratieförderung.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Kulturinitiativen mit Überforderung, Spaltung und Erschöpfung umgehen können. Hier wurden vor allem Vernetzung, Allianzen, gegenseitige Unterstützung und bewusste Pausen als wichtige Strategien benannt. Demokratiearbeit, so wurde deutlich, braucht auch Fürsorge und das bewusste Stärken gemeinsamer Handlungskraft.

Intensiv diskutiert wurde auch, wie mit Spaltung innerhalb progressiver Zusammenhänge umzugehen ist. Mirjam Zadoff plädierte dafür, Kommunikationsräume offen zu halten, Widersprüche auszuhalten und trotz Differenzen im Gespräch zu bleiben. Gerade angesichts gesellschaftlicher Polarisierung sei das Zuhören selbst bereits demokratische Praxis.

Besonders hervorgehoben wurde die Rolle freier Kulturarbeit im ländlichen Raum. Kulturinitiativen können dort Orte sein, an denen politische und gesellschaftliche Fragen überhaupt erst sichtbar und verhandelbar werden – sei es über Film, Diskussion, gemeinsames Kochen, Chöre oder lokale Projekte. Demokratische Kultur zeigt sich dabei oft nicht spektakulär, sondern in alltäglichen Formen gemeinsamer Praxis.

Ein starkes gemeinsames Bild der Diskussion war: Demokratisierung durch Kultur entsteht dort, wo Menschen Räume schaffen, in denen Unterschiedlichkeit ausgehalten, Konflikte verhandelt und solidarische Gegenentwürfe entwickelt werden. Kultur ist dabei nicht nur Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern selbst ein Ort demokratischer Gestaltung.

Die Lunch Lecture machte deutlich: Freie Kulturarbeit ist kein Nebenschauplatz, sondern Teil demokratischer Infrastruktur. Sie schafft Öffentlichkeit, ermöglicht Teilhabe und verteidigt Räume, in denen Gesellschaft anders gedacht und gemacht werden kann.

Vielen Dank an Bernhard Weidinger und Mirjam Zadoff für ihre Impulse und an alle Teilnehmenden für das engagierte Gespräch.

Nachlese in einfacher Sprache

Bei unserer Lunch Lecture ging es um eine wichtige Frage:
Was hat Kultur mit Demokratie zu tun?

Wir haben darüber gesprochen, dass Kultur mehr ist als Kunst oder Veranstaltungen. Kultur kann Menschen zusammenbringen. Menschen können sich treffen, reden und Ideen austauschen. Das ist wichtig für Demokratie.

Bernhard Weidinger hat erklärt: Auch rechte Gruppen nutzen Kultur. Zum Beispiel mit Musik, Symbolen, Medien oder eigenen Veranstaltungen. Sie wollen damit Einfluss auf Menschen nehmen. Deshalb ist freie Kulturarbeit wichtig. Sie schafft andere Perspektiven und stärkt demokratische Werte.

Mirjam Zadoff hat über Erinnerung gesprochen. Erinnerung bedeutet: über Geschichte sprechen, aus Fehlern lernen und Verantwortung übernehmen. Auch das ist wichtig für Demokratie.

Ein Thema war auch: Viele Kulturinitiativen stehen unter Druck. Es gibt Kürzungen, Angriffe und Unsicherheit. Das macht die Arbeit schwer.

Wir haben darüber gesprochen, was helfen kann:

  • sich mit anderen vernetzen
  • zusammenarbeiten
  • solidarisch sein
  • einander unterstützen
  • im Gespräch bleiben

Wichtig war auch: Demokratie bedeutet nicht, dass immer alle einer Meinung sind. Demokratie heißt auch, Unterschiede auszuhalten und Konflikte friedlich zu besprechen.

Besonders im ländlichen Raum können Kulturinitiativen wichtige Orte sein. Dort können Menschen zusammenkommen, voneinander lernen und gemeinsam etwas machen.

Ein wichtiger Gedanke aus der Veranstaltung war:
Demokratie passiert auch im Alltag.
Zum Beispiel, wenn Menschen gemeinsam einen Raum gestalten, miteinander reden oder Verantwortung übernehmen.

Vielen Dank an unsere Gäste und an alle, die dabei waren.
Die Lunch Lecture hat gezeigt: Kultur kann Demokratie stärken.

Erstellt mit Hilfe der KI.